Ein Blick zurück – ein Blick voraus

Sie strahlt und schenkt uns wieder Licht – denn Dunkelheit für immer gibt es nicht! (Foto: Pixabay)
Marcus Haseitl, Bad Grönenbach

Im Frühjahr habe ich an dieser Stelle die fehlende Dialogbereitschaft zur Corona-Thematik angesprochen, ebenso sah ich dunkle Wolken über dem Gemeinwesen aufziehen. Und? Die Wolken sind in vielerlei Betrachtung dunkler geworden!

Die kritischen Stimmen in Gesellschaft und Wissenschaft sind aber nicht verstummt. Sie sind vielmehr durch andauernde Recherche fundierter geworden … werden aber von herrschender Seite zum Teil mit rüden Worten abgekanzelt, ins Lächerliche gezogen oder es wird versucht, es auszuschweigen, um sich eben einer inhaltlichen Diskussion nicht zu stellen. Das betrifft vor allem die Bereiche der neuen ImpfstoffTechnologie, PCR-Test-Verfahren, Lobbymacht der Pharmaindustrie und die oftmals wahrgenommene Einseitigkeit im Bereich der Mainstream-Medien. Und natürlich gibt es auch auf der kritischen Seite die eine oder andere Einseitigkeit. Aber wie wird damit umgegangen?

Es wird inzwischen in Politik und Medienwelt stärker polarisiert. Man nehme nur die Worte des Chefredakteurs Florian Harms vom Nachrichtenportal t-online.de vom 16.12.: Corona-Maßnahmen-kritische Menschen bezeichnet er in seinem Tageskommentar mit „gemeiner Egoist oder ein lebensmüder Volltrottel“. Macht es bei so einer Wortwahl hier noch Sinn, sich um Verständnisbrücken zu bemühen? Wohl weniger in Richtung eines Herrn Harms, aber desto mehr bei solcher Meinungsmache in die Mitte der Gesellschaft hinein. Denn in unseren Städten und Gemeinden, in unseren Familien und der Nachbarschaft müssen und dürfen wir auch morgen noch miteinander zusammenleben.

Dabei kann es durchaus hilfreich sein, den Blick vom gegenwärtigen Coronathema zu lösen und in die »Vor-Corona-Zeit« zu schauen. Wie sah es denn hier mit neuartigen Medizinprodukten, mit der Medienwelt oder der Pharmalobby aus? Eine kleine Auswahl:

Contergan: 1957 wurde das Medikament mit dem Wirkstoff Thalidomid in Deutschland zugelassen, gezielt als Beruhigungs- und Schlafmittel für Schwangere empfohlen und beworben, mit den bekannten, verheerenden Folgen. 1961 wurde es auf Druck der Öffentlichkeit vom deutschen Markt genommen. Die USA wurde vor dieser Medizin-Katastrophe bewahrt: Frances Kelsey, als Pharmakologin bei der Zulassungsbehörde FDA neu angestellt, verließ sich nicht auf Beteuerungen des Herstellers und verweigerte trotz Druck aus Wirtschaft und Politik die Zulassung.[1] Und heute? Thalidomid hat in einigen Ländern die Zulassung mit strengeren Auflagen für einzelne schwere Erkrankungen. Trotzdem gibt es einen Graubereich und Schwarzmarkt, der auch 50 Jahre nach dem Contergan-Skandal z. B. in Südamerika bei zahlreichen Babys für Missbildungen gesorgt hat[2] … was wahrscheinlich bis zur Gegenwart traurige Realität sein dürfte.

»Freiheit, die ich fürchte« – ein Buchtitel des Fernsehjournalisten Ulrich Wickert, Erstauflage 1981: Meine Auflage von 1995 nehme ich immer wieder staunend in die Hand, wie der Autor hier den Freiheitsbegriff und die Grundlagen der BRD-Demokratie beleuchtet. Schon im Inhaltsverzeichnis listet er »Die Möbel der Demokratie« auf: Angst, Obrigkeitsdenken, Gehorsam und »General Dr. von Staat«, in Anlehnung an die »Betrachtungen eines Unpolitischen« von Thomas Mann. Nur drei Zitate, welche die Aktualität der Lektüre unterstreichen: „Von Entlassung bedroht … übt ein kritischer Journalist Selbstzensur, reduziert seine Meinung, um … seine Existenzgrundlage nicht zu verlieren.“ „… bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten … auch hier wird Selbstzensur geübt.“ „Denn theoretisch schwebt der Bürokratie eine Gesellschaft vor …: die hygienische Gesellschaft … mit gesundheitsfördernden Eingriffen wird [der Bürger] angepasst. Und was der Gesundheit dient, billigen wir.“

Horst Seehofer zur Lobby der Pharmaindustrie

Ein hörenswertes Interview im ZDF-Politikmagazin Frontal21 aus dem Jahr 2003[3]:
Frontal21: … viel Geld. In Deutschland ist die Positiv-Liste, so wie dieser Entwurf 2003, immer wieder gescheitert. Warum, das hat der ehemalige Gesundheitsminister Horst Seehofer erfahren müssen. Heute gibt er erstmals zu: Der Druck der Pharma-Lobby war zu groß.
Frontal21: Heißt das denn, dass die Lobby wirklich so stark war – die Pharma-Lobby gegen die Politik – und Sie quasi dann da zurückziehen mussten?

Horst Seehofer: Ja, das ist so – seit 30 Jahren, bis zur Stunde – dass sinnvolle strukturelle Veränderungen auch im Sinne von mehr sozialer Marktwirtschaft im deutschen Gesundheitswesen nicht möglich sind wegen des Widerstandes der Lobby-Verbände.
Frontal21: Seehofers Staatssekretär, Baldur Wagner, hat seinerzeit dem Chef des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie, Hans-Rüdiger Vogel, sogar ein geschreddertes Exemplar der Positiv-Liste überreicht. Die Pharma-Lobby setzte sich durch mit massivem Druck.
Horst Seehofer: Ich kann Ihnen nur beschreiben, dass es so ist und dass es so abläuft, und zwar sehr wirksam.
Frontal21: Aber es kann ja nicht sein, dass die Industrie stärker ist, als die Politik. Also letzten Endes muss es doch heißen, die Politik muss sagen: Nein, so geht es nicht.
Horst Seehofer: Ja, ich kann Ihnen nicht widersprechen.
Frontal21: Die Positiv-Liste gescheitert. Zu teure oder nutzlose Medikamente müssen von den Kassen bezahlt werden, weil es die Pharma-Lobby so wünscht.

Gehöre ich nun zu den Verschwörungstheoretikern, weil ich diese Beispiele bringe und mit Quellen belege? Wahrscheinlich erst recht, wenn ich nun meinen Blick auf die Gegenwart richte und mich z. B. auf die offiziellen Zahlen zur intensivmedizinischen Versorgung in der BRD beziehe. Ein Aspekt noch vorneweg: Natürlich macht es auch mich betroffen, wenn am 16.12. von Triage in sächsischen Kliniken berichtet wird. Genau deswegen recherchiere ich, schaue ich in das offizielle Melderegister zur intensivmedizinischen Versorgung in Deutschland (DIVI-Intensivregister) und finde u. a. folgende Grafik:[4]

Seit Anfang August nimmt die Gesamtzahl der Intensivbetten ab (Summe aus belegten und freien Betten). Die Notfallreserve (einsatzfähige Intensivplätze in 7 Tagen) wurde zuvor nicht erfasst. Schaut so vorbeugende Gesundheitspolitik aus? (GRAFIK: DIVI-Intensivregister Deutschland)

Die tagesgenauen Zahlen auf der DIVI-Website lauten:

  • Für den 3.8.: 32.619 Intensivbetten (20.866 belegte plus 11.753 freie), Notfallreserve nicht erfasst
  • Kapazität am 4.8.: 30.952 Intensivbetten (21.408 belegte plus 9544 freie), Notfallreserve: 12.313
  • Für den 16.12.: 27.072 Intensivbetten ( 22.530 belegte plus 4.542 freie), Notfallreserve: 11.253
  • Am 16.12. sind von den belegten Intensivbetten 4.826 als COVID-19-Fälle erfasst, korrekter wahrscheinlich als PCR-Test-positiv zu bezeichnen.

Wie kann man diese Zahlen einordnen? Ein Blick zurück auf den SWR-Fernsehbeitrag odysso-Wissen »Intensivmedizin in Deutschland – Zahlen und Fakten« aus dem Jahr 2018 (15. März, 22:00 Uhr): In 1.100 Krankenhäusern stehen laut dieser Sendung damals 27.000 Intensivbetten zur Verfügung und die ideale Auslastung wird mit 80 % beschrieben.

Laut dem DIVI-Register haben wir am 16.12.2020 bundesweit 27.072 Intensivbetten (natürlich ohne Notfallreserve, die wurde vor August 2020 nicht erfasst), die Belegungsquote beträgt an diesem Tag ca. 83 %.

Die Zahlen laut DIVI-Register für Sachsen am 16.12.2020:
1642 Intensivbetten (davon 210 frei und 1432 belegt – von den belegten 580 mit corona-positiv getesteten Patienten). Das bedeutet eine Belegungsquote von ca. 87 % (Notfallreserve von 638 Intensivbetten nicht einberechnet).

Warum kann der Großteil von Politik und Mainstream-Medien nicht sachlich über diese Zahlen berichten?

Wer sich neben dem DIVI-Register noch näher mit offiziellen Zahlenwerten im Konkreten beschäftigen will, der wird bei Statista, einem der führenden Statistik-Portale Deutschlands, im dortigen Corona-Dossier fündig[5] … fast schon eine Pflichtlektüre für eine Versachlichung der aktuellen Diskussion, um in der Mitte der Gesellschaft wieder auf eine Dialogebene zu kommen.

Abschließend gelten für mich nach wie vor meine Worte aus dem Juni-OHA: Und jeder Todesfall sollte für uns ein Trauerfall sein – das äthiopische Kind genauso wie unser Großvater zuhause – und eine schöne Erinnerung, dass wir diesem Menschen nahe waren bzw. näher waren, wie wir vielleicht manchmal denken. Insbesondere wenn wir inzwischen aus Veröffentlichungen des Welternährungsprogramms (WFP) wissen, dass die bisherigen Corona-Maßnahmen den Welthunger etwa verdoppeln werden und selbst die WHO inzwischen von einer Lockdown-Politik abrät, weil sie verheerende Armutswirkungen hat. Das bedeutet: In den kommenden 12 Monaten werden weltweit wohl zusätzlich 9 Millionen Menschen verhungern. Erschütternd!

Marcus Haseitl, Bad Grönenbach







Quellenangaben / Hinweise
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  1. faz.net, 3.10.2007: »Segensreiche Hartnäckigkeit: Wie Amerika vor der Contergan-Katastrophe bewahrt wurde« von Martina Lenzen-Schulte
  2. PZ – Pharmazeutische Zeitung, 46/2007, »Thalidomid – Andere Indikation, bekanntes Risiko«
  3. Ausschnitt aus der Frontal21-Sendung: www.youtube.com/watch?v=TZDgjPWfZUg
  4. www.intensivregister.de/#/aktuelle-lage/zeitreihen
  5. de.statista.com/statistik/studie/id/71015/dokument/corona-pandemie-2019-20/#professional
    (nach kostenloser Registrierung)

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