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Dez 31 2015

Brief an die Presse: Gegen die Einschränkung des Familiennachzugs für syrische Flüchtlinge!

Die Mitglieder der Asylhelferkreise haben im letzten Jahr eine auch von der Politik immer wieder anerkannte Arbeit geleistet. Wir sind und waren für die Flüchtlinge das freundliche Gesicht Deutschlands. Wir haben diese Menschen, die auf der Flucht vor Gewalt und Not in unserem Land gestrandet sind, in Empfang genommen und mit ihnen die ersten Schritte in eine ihnen fremde Kultur und Gesellschaft unternommen.

Wir haben sie Deutsch unterrichtet, als es noch keine Deutschkurse gab, wir haben sie zu den Ärzten gebracht und durch den Paragrafen-Dschungel geführt.

Wir haben ihnen Arbeit besorgt und inzwischen auch Wohnungen. Wir waren für sie da und sind es immer noch. Wir wollen ausdrücklich keine Parteipolitik betreiben  und sehen unsere Aufgabe auch nicht darin, politisch tätig zu werden. Denn zu unterschiedlich sind unsere politischen und weltanschaulichen Ansichten.

Aber uns allen gemeinsam ist das Interesse an den Menschen, die Not und Gewalt in unser Land gespült haben und die Entschlossenheit,  ihnen ein wenig weiterzuhelfen. Wir haben uns nicht beklagt und beklagen uns nicht über die vielen Mängel im System, sondern packen an, damit alles gutgeht. Wir wissen, nichts ist perfekt und alles kann man besser machen. Doch es häufen sich die Momente, in denen es uns zunehmend schwer fällt, Stillschweigen zu bewahren. Denn die Menschen, die wir betreuen, sind uns nicht mehr fremd, und wir können zumindest erahnen, wie es ihnen ergangen ist und wie es ihnen jetzt bei uns geht. Die vielen Menschen, die jetzt in unser Land strömen, sind nicht ohne Probleme und Schwierigkeiten zu integrieren. Das kann Angst machen, und auch wir erschrecken immer wieder, wenn wir Menschen sehen, die in Zelten oder Turnhallen untergebracht sind, oder wenn wir zum Beispiel entdecken, dass einige unserer Schützlinge weder lesen noch schreiben können.

Wir sind nicht blauäugig. Und wir haben nicht für alles Lösungen parat, die müssen wir noch finden. Aber wir alle können uns vielleicht auf den wesentlichsten Punkt einigen: Menschen müssen menschenwürdig behandelt werden. In diesem Sinne wollen wir uns jetzt zu Wort melden, und werden das, falls notwendig, auch wieder tun.

Wir stellen uns vor, wie das sein mag, unsere Familie in einem Land zu wissen, in dem Mord und Totschlag herrscht, und wir versuchen uns vorzustellen, wie das Leben in riesigen Lagern ist, in denen es nichts zu tun gibt und die Essensrationen täglich kleiner werden. Wie sollen wir also den syrischen Flüchtlingen erklären, dass sie ihre Frauen und Kinder auf absehbare Zeit nicht nach Deutschland holen dürfen. Wie sollen wir ihnen erklären, dass der einzige Weg von jetzt ab sein wird, die todbringende Fahrt über das Mittelmeer und der lange Elendsweg durch ein Europa, in dem sie kein Land aufnehmen möchte? Und warum sollten diese Menschen, denen wir mit dieser Regelung so deutlich zeigen, dass sie hier nicht erwünscht sind und sie hier in Deutschland nur auf Zeit bleiben sollen, warum eigentlich sollten sie jetzt noch Deutsch lernen wollen und warum sollten sie weiterhin versuchen, hier in Deutschland Fuß zu fassen? Dass der Nachzug für syrische Familien über mindestens zwei Jahre hinweg unterbunden  werden soll, ist aus unserer Sicht kontraproduktiv und nicht mit grundlegenden christlichen Werten zu vereinbaren.

In diesem Sinne fordern wir die zuständigen Politiker auf, ihre diesbezüglichen Pläne zu überdenken.

Zoltán Jókay, Asylhelferkreis Eichenau

 

 

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