Chance zur Flucht aus dem Hamsterrad

Vision für die regionale Erzeugung gesunder Lebensmittel

Prof. Ralf Otterpohl

Unter dem Motto »Das Neue Dorf – Zukunft für Stadt und Land gestalten« war Prof. Ralf Otterpohl am 12. März 2019 in Weilheim zu Gast im voll besetzten Pfarrheim »Miteinander«.

Sozusagen als Einstieg in den Abend gab es ein leckeres Büffet aus der regionalen Küche von Slowfood Pfaffenwinkel e. V. Die köstliche Kürbissuppe im März zeigte, dass bei entsprechender Lagerung regionales Gemüse durchaus auch im Frühjahr noch frisch und lecker schmecken kann und welche Vielfalt mit Produkten aus unserer Region möglich ist.

Prof. Otterpohl, der das Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Technischen Universität Hamburg Harburg leitet, wies sehr deutlich auf die Probleme unserer modernen Lebensführung und die immer wachsende Verstädterung hin, insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Böden und die Abwasserproblematik. Dabei liegt sein Fokus vor allem auf der Tatsache, dass gute und hochwertige Lebensmittel nur aus guten und hochwertigen Böden kommen können. Hierzu bedarf es eines konsequenten Humusaufbaus, der jedoch in der konventionellen Landwirtschaft, die oftmals intensiv auf agro-chemische Hilfsmittel zurückgreift, zu kurz kommt.

Laut UN Millennium Ecosystem Report hat der Mensch von 1950 bis 1990 bereits ein Drittel aller fruchtbaren Böden weltweit zerstört und der Erosion ausgesetzt. Die Situation ist seither nicht besser geworden, sondern führt zu immer stärkeren Migrationsbewegungen, da die Menschen auf den zerstörten, unfruchtbaren Böden nicht mehr leben können. Anhand von Beispielen in Äthiopien und dem Loess-Plateau in China zeigt er, dass eine Umkehr möglich ist und dass eine einst verlassene und unfruchtbare Gegend „wiederbelebt“ werden kann und auch die Menschen dorthin wieder zurückkehren. So sorgen humusreiche Böden nicht nur für gesunde Nahrung und damit die Lebensgrundlage für die Bevölkerung, sondern auch für ein stabiles Klima.

Vor dem Hintergrund, dass gemäß des Welt-Agrarberichts weltweit 70 % aller Lebensmittel in Kleinbetrieben erzeugt werden, hat er seine Idee des Neuen Dorfes entwickelt, in dem etwa hundert Mini­farmen auf dem Areal eines heutigen konventionellen Bauernhofes effektiven Bodenaufbau leisten können und damit hochwertige Lebensmittel produzieren. Dabei ist ihm besonders wichtig, dass diese Kleinunternehmer im Neuen Dorf nicht alle zu Vollzeit-Bauern werden, sondern dass hier neben den landwirtschaftlichen Aktivitäten auch viele weitere unterschiedliche Handwerks- und Berufsfähigkeiten nötig sind, um ein für alle gedeihliches Auskommen zu finden. In seiner Vision sieht er die Chance, dass die Menschen aus ihrem persönlichen Hamsterrad entfliehen können und sozusagen vormittags im Garten für gesunde Lebensmittel sorgen und nachmittags noch in Teilzeit ihrer Berufung nachgehen. Kinder wachsen in natürlichem Umfeld auf. Optimalerweise können die naheliegenden Städte mit regional erzeugten Lebensmitteln umweltschonend auf kurzen Wegen mitversorgt werden.

Am Beispiel des Biohofes von Robert Briechle im Allgäu zeigt er, wie ein herkömmlicher Bauernhof umgestaltet werden kann und mithilfe von Permakultur und gezielter Bodenaufarbeitung sinnstiftend für viele Menschen werden kann.

Er ging auch ausführlich auf die gesundheitlichen Auswirkungen ein, die konventionelle Lebensmittel aus schlechten Böden mit sich bringen, dass z. B. fehlende Spurenelemente zu Mangelerscheinungen und Anfälligkeiten für Zivilisationskrankheiten führen können.

Insgesamt war sein Vortrag von viel Optimismus und vielen positiven Sichtweisen getragen, wie man den aktuellen Problemen motiviert begegnen kann und wie jeder Einzelne sich einbringen kann. Am Ende gab er den Besuchern noch seine persönliche Meinung zu der anstehenden Diskussion um das Thema »5 G« – der neuen, geplanten 5. Handy-Generation – mit auf dem Weg. Hierbei handle es sich in seinen Augen um ein modernes Waffensystem, das in seiner vollen strahlungstechnischen und gesellschaftlichen Auswirkung alle Anstrengungen um Humusaufbau und Klimaschutz infrage stelle und zu verhindern sei. Weitere Informationen gibt es unter www.gartenring.org.

Uschi Resch, Weilheim

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