Bei dieser sommerlichen Witterung sind ja sehr viele von uns draußen, falls irgendwie möglich, an einem Weiher oder See beim Schwimmen. Vor allem Kinder genießen es, ins – hoffentlich kühle – Nass zu hüpfen und darin zu spielen. Wobei auch „wir großen Kinder“ unsere Freude daran haben, nicht wahr?
Manchmal denke ich zurück, wie ich schwimmen lernte. Unsere Mutter konnte es nicht und unserem Vater war es sehr wichtig, es uns beizubringen. Seine pädagogischen Fähigkeiten waren diesbezüglich leider nicht optimal, doch im Endeffekt war ich dann gerne in dem kleinen Weiher beim Elternhaus sobald und solange es das Wetter zuließ. (Im Winter konnten wir dort Schlittschuhlaufen.)
Ja, die Kindheit. Sie vergeht schnell und es ist wirklich so, dass wir jeden Tag mit dem Nachwuchs so weit wie möglich genießen dürfen. Natürlich lässt sich auch später nichts nachholen, das uns wichtig gewesen wäre, doch die Zeit bis hin zum Erwachsenwerden prägt uns ja alle für das ganze Leben und so ein „Zwergerl“ aufwachsen zu sehen, es dabei zu unterstützen, in der großen Welt zurechtzukommen, ist schon etwas Besonderes.
Etwas Besonderes sind für mich auch Gemälde, die Kinder zeigen und mit ganz viel Liebe und Achtsamkeit gestaltet sind, so dass sie mich im Innersten zutiefst berühren. Das erlebe ich, wenn ich vor den Bildern von Irma Streck stehe, die noch bis 19. Juli in der Kirche St. Pölten in Weilheim gezeigt werden. Obwohl ich die Motive und ihre Erschafferin bereits 2011 in Benediktbeuern kennenlernen durfte, üben sie auf mich eine Art der Faszination aus, von der ich mich gerne stets neu anziehen lasse.
Irma bietet diese Ausstellung in Kooperation mit dem BKDR (Bayerisches Kulturzentrum der Deutschen aus Russland) mit der Überschrift „Das Gebet im Leben der Russlanddeutschen“ an, zu denen sie selbst gehört, was mir neu war. Und vor allem wusste ich von der Historie dieser Volksgruppe nichts, so dass mich sehr bewegt, was diese Menschen alles erlebten und erleben.
Das BKDR bietet im Zuge der Präsentation der LICHTMALEREI, wie Irma ihre Arbeiten nennt, diverse Broschüren an, die Einblicke in das Schicksal der Russlanddeutschen bieten und es gibt dazu auch Aufstell-Banner, die die Historie der Katholischen und Evangelischen Christen in Russland zeigen. Dort gibt es heute noch viele und schöne Kirchen, die teils auch als nicht mehr intakte Bauten sehr beeindruckend sind. Es „wäre“ schön, diese tatsächlich einmal vor Ort besuchen zu können … Wir werden sehen wie die Weltgeschichte sich weiter entwickelt.
Bezüglich Russland: Vor Kurzem lernte ich Frau Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz in Murnau kennen, wo sie zu einem Filmgespräch zu Gast war. „Gorbatschow – Gödelitz – Frieden“. Ein bemerkenswerter Streifen, der manches aufgreift, was vermutlich viele Menschen in ganz Deutschland beschäftigt. Die Journalistin Bärbel Schäfer, die wie Fr. Krone-Schmalz im Film vorkommt und dort (wie diese aus einem ihrer Bücher) aus ihrem Buch über Gorbatschow vorliest, ist leider letztes Jahr viel zu früh von uns gegangen. Beide Frauen wissen genau, wovon sie reden und ihre Fachkenntnis regt sehr zum Nachdenken an.
Fr. Krone-Schmalz konnte ich tags darauf bei ihrem Vortrag „Russland und der Westen“ in der ausverkauften Loisachhalle nochmals erleben. Sie ist vermutlich die beste Russlandkennerin, die es in Deutschland gibt und wurde mit diversen Auszeichnungen bedacht. Wenn sich jemand von ganzem Herzen fast sein ganzes Leben mit einem Thema befasst, dann ist das mit Sicherheit ein Mensch, der sich damit sehr gut auskennt und viele Fragen beantworten kann. Wenn auch einzelne Punkte offen bleiben, da nur die politischen Akteure selbst etwas an bestimmten Situationen ändern können.
Für derart tiefgründige Einblicke in Vorgänge auf der politischen Ebene bin ich sehr dankbar, denn als „Normalbürger“ kenne ich „nur“ das, was die Medien veröffentlichen. Und hier dürfte wohl manches ausführlicher und neutraler sein. Von ihr wurde zudem immer wieder betont, dass sie ihre eigene Meinung kundtut und vertritt, jemand anderer jedoch eventuell anders denkt. Das ist auch unser aller gutes Recht in einer Demokratie.
Ebenso wie jeder seine Meinung zu Kunst in all ihren Variationen haben kann und darf. So gibt es in Irmas Gästebuch zur Ausstellung Einträge, die von Begeisterung bis hin zu Akzeptanz gehen. Wichtig ist, dass wir uns respektvoll austauschen, uns gegenseitig in unserer Vielfalt achten und wertschätzen. Denn die Vielfalt ist es, die Leben ausmacht und gegenseitig unterstützt.
Wie auch am Badesee die Nichtschwimmer genauso ihre Freude haben wie die Wasserraten, die Runde um Runde im kühlen Nass drehen. So wünsche ich Ihnen nun noch einen schönen Sommer mit angenehmen Temperaturen und dazu die Zeit, die Tage zu genießen.
Irmgard Deml, Weilheim





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