1368 Angehörige von Jägerfamilien in Südbayern durch den Eigenverzehr von sehr hoch belastetem Wildschweinfleisch gefährdet!

Helmut Rummel, Murnau

Betrachtung des Risikos aus gesundheitlicher Sicht:
Durch den Verzehr von hoch belastetem Wildschweinfleisch wurden im Zeitraum von 11/2016 bis 3/2018 alleine in den 3 Regierungsbezirken Oberbayern, Niederbayern und Schwaben

  • 450 Angehörige von Jägerfamilien mit einer Dosis belastet, welche vergleichsweise 35 Röntgenaufnahmen der Lunge pro Kopf und Jahr entspricht!
  • weitere 918 Angehörige wurden mit einer Dosis von vergleichsweise 17 Röntgenaufnahmen belastet.

Von den im obigen Zeitraum erlegten Wildschweinen in den Regierungsbezirken Oberbayern, Niederbayern und Schwaben wurde die Hälfte nicht gemessen, aber verzehrt!

Alle bisherigen Angaben ergaben sich aus der Auswertung von rund 12 000 Messwerten und dem Vergleich der Strecken mit der Gesamtzahl der Messungen in Südbayern.

Da Südbayern durch den Fallout wesentlich höher belastet wurde als Nordbayern, müssten hier alle Wildschweine einer Messung zugeführt werden.

Da die nicht gemessenen aus dem gleichen Gebiet und dem gleichen Zeitraum wie die gemessenen stammten, war auch statistisch mit den gleichen hohen Belastungen zu rechnen.

Ich habe also die gemessenen Wildschweine als Vergleichsmaßstab für meine Berechnungen herangezogen. In den 11 000 nicht gemessenen Wildschweinen waren also statistisch folgende Messwerte zu erwarten:

  • 150 x Messwerte über 6 000 Bq (in den 150 Messwerten über 6 000 Bq sind sogar 28 Messwerte über 10 000 Bq/kg enthalten bis hin zu 16 704 Bq/kg.
  • 306 x Messwerte mit Messwerten im Bereich von 3 000 Bq bis hin zu 6 000 Bq/kg

Hier die Aufschlüsselung nach Anzahl der belasteten Jäger:

  • 450 Jäger belastet mit vergleichbar 35 Röntgenaufnahmen der Lunge
  • 918 Jäger belastet mit vergleichbar 17 Röntgenaufnahmen der Lunge

Es soll hier nicht beurteilt werden, ob 35 Röntgenaufnahmen tatsächlich gesundheitliche Folgen haben, ein Risiko ist es allemal. Dieses Risiko ist jedoch sehr leicht vermeidbar, indem jedes erlegte Wildschwein einer Radiocäsium-Messung zugeführt wird. Dies ist leider im Bereich des Bayerischen Jagdverbandes in Südbayern seit Jahren nicht der Fall.

Den Berechnungen habe ich zugrundegelegt:

  • jeweils 3 Personen pro Jägerhaushalt
  • ein vom Jäger selbsterlegtes Wildschwein mit mindestens 27 kg in der Tiefkühltruhe des Jägerhaushalts.
  • Verzehr von je 3 Mahlzeiten von 250 gr im Monat, ergibt 9 kg pro Person und Jahr.

Eine viel höhere Verzehrmenge ergibt sich aus Studien des Bundesinstitut für Risikobewertung. Dort heißt es: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bezeichnet die Jägerfamilien als Extremverzehrer und kommt auf einen Wert von 13 kg pro Kopf und Jahr.

Ich habe vorsichtigerweise nur mit einer Verzehrmenge von 9 kg pro Kopf und Jahr gerechnet.

Dosisberechnung für die oben angeführten, am höchsten belasteten 450 Personen:

Belastung des Fleisches mit 6 000 Bq/kg x 9 kg = 54 000 Bq x 0,013 = 702 Mikrosievert;
1 Röntgenaufnahme der Lunge entspricht 20 Mikrosievert);
702 Mikrosievert: 20 Mikrosievert = 35 Röntgenaufnahmen
(0,013 ist der Dosisfaktor für das radioaktive Cs 137 bei Ingestion, also bei Verzehr.)

Zum Vergleich: Der Grenzwert beträgt 600 Bq/kg. Die oben angeführten Messwerte reichen also vom 5-fachen bis zum 28-fachen des Grenzwertes.

Nochmal: Meine Berechnung gilt natürlich nur für Jäger und Angehörige im Jägerhaushalt, die wie schon oben erwähnt, 3 x pro Monat belastetes Wildschweinfleisch mit 6 000 Bq/kg aufwärts verzehren. Recherchiert habe ich in allen Landkreisen und kreisfreien Städten der Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Schwaben. Und das sind immerhin 49 an der Zahl. Ausgewertet habe ich insgesamt rund 12 000 Messwerte aus den drei oben genannten Regierungsbezirken.

Das Umweltministerium müsste nach § 1 des Strahlenschutzvorsorgegesetzes (StrVG) die Verbraucher über die hohen Messwerte informieren, tut dies aber seit Jahren nicht! Die im Internetauftritt des LfU aufgelisteten Messwerte sind für den Verbraucher grob irreführend, denn dort findet sich kein einziger der von mir recherchierten 456 Messwerte von 3 000 Bq bis 16 704 Bq/kg; höchster Wert dort 1 600 Bq (aus dem Jahr 2016).

Helmut Rummel, Murnau
ehemaliger langjähriger Strahlenschutzbeauftragter für Radioaktivität und fast 5 Jahre lang Betreiber einer, vom Landesamt für Umwelt, Qualifizierten Radiocäsium-Messstelle für Schwarzwild im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Schreibe einen Kommentar

Bitte bleiben Sie sachlich. Beiträge mit beleidigenden oder herabwürdigenden Inhalten oder Aufrufen zu Straftaten werden ebenso gelöscht wie solche, die keinen Bezug zum Thema haben. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht!

Your email address will not be published.