Die Angst vor Alternativen im alternativlosen Land

Rand-Notizen zu den Beiträgen im August-OHA von Oliver Koch »Ich will meine Komfortzone zurück!« (Seite 2) und von Gaby Kerscher »Die Krise als Chance?« (Seite 5)

Roland Greißl, Fuchstal

„Egal, ob es nun die Evolution war oder Gott, der die Welt erschaffen hat, einen schweren Konstruktionsfehler hat diese auf jeden Fall: die Zecke. Sie ist das widerlichste und sinnloseste Tier auf der Erde.“

Die leicht ironisch gemeinten Worte lösten in der Ethik-Klasse heitere Reaktionen aus. Den nun folgenden Worten eines Schülers: „Dann fragen Sie doch mal die Zecke!“ folgte allgemeines Gelächter. Ich dagegen lernte in der kurzen Zeit meines Schweigens etwas Praktisches fürs Leben: den Perspektivwechsel.

Und genau den brauche ich in Corona-Zeiten mehr denn je. Versetze ich mich in die Rolle der Regierenden hinein, die ja weltweit in irgendeiner Weise handeln müssen, könnte ich Herrn Oliver Koch zustimmen, dass diese bei uns ihre Maßnahmen zum Schutz aller relativ moderat getroffen haben. Wenn ich mir aber „demokratische Alternativen zur alternativlosen Politik unserer Politiker und Virologen“ wünsche, ohne mich in Bolsonaros Paradies wiederzufinden, sieht es schon düsterer aus: dann bin ich Rechter, Verschwörungstheoretiker und mehr. Allein der Gedanke, dass sich Unvernünftige trotz aller Ge- und Verbote unvernünftig, Vernünftige aber auch ohne diese Maßnahmen vernünftig verhalten würden, darf nicht mal gedacht werden: unerlaubte Perspektive, denn sie geht vom mündigen Bürger aus.

Und genau da setzt auch der so glänzend durchdachte Beitrag von Frau Gaby Kerscher an. Schon damals, als Kind wussten andere, was das Beste für sie sei, auch gegen ihren Willen. Das „Gefühl der Ohnmacht dem Staat gegenüber“ sorgt heute für Beklemmungen bei ihr – sie entdeckt mit dem Philosophen Charles Eisenstein die »Krönung« der westlichen Kultur: »Kontrolle und Kampf«. Und ja, ganz nüchtern gipfelt ihre Analyse in der Aussage: „Die einen haben Angst vor der Krankheit, die anderen vor den Maßnahmen dagegen. Was uns vereint, ist die Angst …“

Genau das ist die Aussage der Karikaturistin Christiane Pfohlmann in ihrer treffsicheren Karikatur über das Impfen. Auch Impffanatiker und Impfgegner eint die Angst – hier die Angst, es könnten sich zu wenige impfen lassen, dort die Angst, das Impfen könnte zur Pflicht werden: Gesetze werden ja gerade in Corona-Zeiten im Eiltempo durchgejagt.

Richtig, Frau Kerscher, dagegen zu kämpfen gibt der falschen Seite Energie. Aber lassen wir unseren Staat unwidersprochen gewähren bei elementaren Fragen wie Impfpflicht, 5 G, Gentechnik usw., so trifft diese Energie mit voller Wucht eben uns Bürger. Eine Digitalisierung um jeden Preis, 5 G-Strahlung auf dem letzten Acker, im letzten Klassenzimmer – und keine Analyse möglicher Folgen! Die Bürger halten schon still.

Und ja, warum gestalten mittlerweile ausschließlich die Ratschläge der – nicht vom Volk gewählten – Virologen unsere Politik und unseren Alltag, während andersdenkende Ärzte und Heilpraktiker mundtot gemacht werden? Weil das Volk schweigt?

Nur, ein wenig Widerstand regt sich schon am Ende ihrer Analyse: Wenn wir bestimmte Viren schon nicht „ausrotten“ sollten, so doch vielleicht „energisch bekämpfen“? Denn laut der Stiftung Gesundheitswissen „sind Viren im Gegensatz zu Bakterien keine Lebewesen“, haben keinen eigenen Stoffwechsel und benötigen eine sogenannte Wirtszelle.

Da gebe ich nun kleinlaut zu, dass ich der eingangs erwähnten Zecke schon eher das Recht auf Leben (und unantastbare Würde?) zugestehen mag als einem Virus. Vielleicht hat sie ja neben einem Stoffwechsel und einem Herzen sogar eine Seele?

Roland Greißl, Fuchstal/Asch

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