Pisa – kippende Lernfähigkeit?

Jürgen Manger hat als Ruhrpott-Kabarettist Adolf Tegtmeier den Satz geprägt: „Denn was man nicht weiß, das muss man sich erklären!“ Dazu braucht man Zeit. Kleinkinder nehmen sich diese. Sie machen mit Begeisterung Handlungen ihrer Vorbild-Welt so lange nach, bis sie »einverleibt« und in »Fleisch und Blut« übergegangen sind.

Das ist das Prinzip aller Lernprozesse: Ein Vorbild durch körperliches Tun nachahmen, eins damit werden.

Die ersten Vorbilder in der Kleinkind-Entwicklung wirken automatisch schon vom Mutterleib an. Wie ein beschriebenes Blatt auf dem Kopierer strahlen Vorbilder ihren Inhalt auf die Kopie. Das Kind kriegt so Stimmungen, die Lebenshaltung der Familie als Lebensgrundlage schon mit. Der Verstand, die Erkenntnis kann nur schwer darüber anderes bestimmen.

Viele Vorbilder sitzen heute unbeweglich im Auto oder vor dem Bildschirm. Andere rennen in Hektik emotional aufgeladen der Zeit hinterher. Am Bildschirm erleben wir kein Naturbild. Es sind aufblitzende LCD-Kristalle, bei denen das Kind vergeblich versucht, mit allen Sinnen zu folgen, zu erfühlen, zu begreifen. Viel zu viele Eindrücke auf einmal, nicht aufnehmbar, erstarrt am Schluss der Mensch. Er wird zum Konsumenten, der sich berieseln lässt.

Entsteht im Unterricht auf der Tafel durch Kreidestriche nach und nach ein Bild, so hat das auch in den Kindern Zeit zu entstehen. Durch selber abschreiben, zeichnen, ausmalen, gestaltet das Kind mit, erlebt sich als erfolgreichen Akteur. Das »ich« entsteht. Deshalb habe ich heute noch meine schönsten Hefte.

Wenn Rechnen mit Fingern, Mitschülermengen, wechselnden Personenzahlen in Bewegung, singend, reimend, in Frühlingsdüften oder Sommerhitze mit allen Sinnen erlebt werden kann, bleibt das ein Leben lang ein tiefsitzender Eindruck. Der Lerninhalt wird so durch viele Stellen im Körper verbunden gespeichert, dass man bei späterer Abfrage darüber sicher über eine der vielen Stellen Zugang und die Antwort, das Wort zum Bild, findet.

Die Bewegung beim Lernen benützt das »Dynamoprinzip« (siehe OHA: »Homöopathie«), das durch die Bewegung im Erd-Lebens-Magnetfeld Energie erzeugt, durch die bei mehrmaliger Wiederholung sogar materiell sichtbar im Gehirn gespeichert wird.

Lebensmittel dienen im Körper auch als Vor-Bilder, nicht als Ersatzbausteine. Sie richten mit ihrer Energie defekte Zell-Gene wieder auf. Rudolf Steiner hat 1924 in seinem landwirtschaftlichen Kurs (siehe OHA: »Landwirtschaft, biologisch-dynamisch«) auf eine zu erwartende Degeneration künftiger Generationen wegen der Degeneration der landwirtschaftlichen Produkte hingewiesen.

Durch Mineraldüngerwirtschaft, chemische Tötungsmittel, Silofutter und auf hohe Hektarerträge gezüchtete Produkte, finden wir andere genetische Strukturen vor als die, die uns beleben sollen. (siehe OHA: »Getreide«)

Das Haltbarmachen (keimtötend) tut ein Weiteres dazu. Besonders der Industriezucker mit seiner Mörtelkalkbleiche ätzt unsere Schleimhäute im ganzen Körper, wirkt ätzend aggressiv. Haltbare Milch, von den Gesundheitsbehörden gefordert, ist nur noch durch Mikrowellenhitze explodierte Zellgenetik. Die bilden in uns keine gesünderen Zellen. (siehe OHA: »Altern – machtlos leiden oder bewusst leiten«)

In geistiger Hinsicht bieten wir auch wenig verlässliche Vorbilder. Nach der »Geheimen Offenbarung« sind wir als »7. Gemeinde« »lau« – weder für noch gegen Gott, aber den »abgestürzten Engeln« nahe. Wir folgen ihrer Idee, wir wollen uns nicht anstrengen, wir wollen alles gleich haben. (siehe OHA: »Was ändert Putin?«)

Autofahrer, Spülmaschinenbesitzer und -besitzerinnen, Klimaweigerer und Enttäuschte sind besonders gefährdete Vorbilder.

Was fehlt, sind beruhigende alte Traditionen, wie regelmäßig miteinander essen, singen, musizieren, das Abendgebet. Eltern, die sich Zeit nehmen, das Kind erzählen zu lassen, um was es sich in der schwierigen Hausaufgabe dreht, wirken wertvoll. Im selber erklären findet das Kind auch nach und nach die Lösung in sich selber.

Das war es, was Adolf Tegtmeier meinte und Heinrich von Kleist in »Über das Verfertigen der Gedanken beim Reden« als Erfahrung aufzeigte.

Roland Brendel, Weilheim

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